DIE MORAL EINER GESELLSCHAFT ZEIGT SICH IN DEM, WAS SIE FÜR IHRE KINDER TUT.
Dietrich von Bonhoeffer

 

Liebe Freunde und Förderer der Stiftung Cura Placida,

Krebs bei Kindern ist ein Thema, das uns zutiefst berührt und weltweit verbindet – unabhängig von Herkunft, Kultur oder Glauben. Es geht um eine der größten Herausforderungen unserer Zeit: das Leben von unschul­digen, jungen Menschen zu retten. Heute wenden wir uns an Sie, die Menschen, die auch in diesem Jahr ihre Erfolge geteilt haben, um das wichtige Ziel zu verfolgen: Kein Kind soll an Krebs sterben!

Krebs bei Kindern ist anders. Sehr anders. Während wir als Erwachsene oftmals mit den Folgen unseres Le­bensstils und der Vergänglichkeit des Lebens konfrontiert werden, trifft Krebs bei Kindern ohne Vorwar­nung. Es ist ein „Betriebsunfall“ des Wachstums. Während der Krebs bei Erwachsenen durch jahrelange, zum Teil selbstverschuldete Veränderungen im Erbgut entsteht, zahlt ein Kind mit dem Preis seines eigenen Wachstums. Ein einziger „Lesefehler“ in einem Wachstums-Gen kann eine Kettenreaktion auslösen – und das Wachstum gerät völlig außer Kontrolle, der Krebs beginnt.

Doch in diesem Drama liegt auch eine Chance: Die „Treibergene“ von Krebserkrankungen bei Kindern kön­nen zum Teil relativ schnell identifiziert werden. Dadurch wird die Suche nach den Ursachen der Krebser­krankungen bei Erwachsenen vereinfacht, die in einem Meer aus genetischen Veränderungen oft zu einer nahezu unlösbaren Aufgabe wird. Ohne das Wissen, das wir aus der Kinderkrebsforschung gewonnen haben, wäre diese Suche für Erwachsene wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Die Entdeckung dieser Gene hat es möglich gemacht, gezielte Therapien zu entwickeln, die den Krebs be­kämpfen, dabei jedoch gesunde, wachsende Zellen des Kindes verschonen. Diese modernen Therapien ha­ben bereits vielen erwachsenen Krebspatienten das Leben gerettet – für Kinder jedoch sind sie meist noch unerreichbar. Da Krebserkrankungen im Kindesalter deutlich weniger häufig sind als im Erwachsenenalter, scheint es, dass der Markt, der für die Forschung zu klein zu sein scheint, wirtschaftlich nicht relevant ist.

Deshalb sehen wir uns heute noch immer gezwungen, Kinder mit den herkömmlichen Methoden der Vergan­genheit zu behandeln: Amputation, Chemotherapie, Bestrahlung.

Ein Teenager, der Knochenkrebs durchlitten hat leidet, beschreibt es so: „Du musst durch die Hölle gehen und kommst mit einem Bein und einer Glatze wieder raus, wenn du überleben willst.“ Das ist die bittere Rea­lität, die viele Kinder und ihre Familien täglich erleben müssen. Cura Placida hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau das zu ändern. Wir wollen den Kindern die Chance auf eine Zukunft ohne diese quälenden, zerstöre­rischen Behandlungen ermöglichen. Und wir wissen, dass wir dies nur mit der Unterstützung von Menschen wie Ihnen erreichen können.

Zwei Beispiele aus der Arbeit von Cura Placida, die bereits Hoffnung schaffen:

  • Die Entdeckung eines Treibergens: Die Zusammenarbeit von Kinderkrebsforschern in München und Vancouver hat dazu beigetragen, bahnbrechende Fortschritte der gezielten Therapie zu ermöglichen. 20 Jahre nach der Entdeckung eines Gens durch die kanadische Arbeitsgruppe, das für einen besonders bös­artigen Tumor bei Kleinkindern verantwortlich ist, konnte schliesslich ein Medikament zugelassen werden, das dieses Krebstreiber-Gen auch bei vielen anderen Krebserkrankungen bremsen kann.
  • Stärkung der eigenen Immunzellen des Körpers im Kampf gegen den Krebs. Durch die Entwicklung von sogenannten CAR-T-Zellen konnte bereits Leukämie erfolgreich bekämpft werden. Doch bei soliden Tu­moren, wie etwa bei Knochenkrebs, gibt es noch große Herausforderungen. Hier muss der Krebs noch mittels Chemotherapie oder sogar Amputation behandelt werden. Aber durch internationale Zusammen­arbeit, unterstützt von Cura Placida, haben Forscher wertvolle Erkenntnisse darüber gewonnen, wie soli­den Tumoren der „Schutzschild“ entzogen werden kann, den sie gegen Immunzellen errichten. Diese Fort­schritte sind der Schlüssel zu einer Zukunft, in der Kinder weniger leiden und dennoch überleben können. 

Über all die Konflikte und Herausforderungen, die unsere Welt heute prägen, hinweg gibt es ein gemeinsa­mes Ziel, das uns alle eint: Kinder vor Krebs zu schützen und sie von diesem furchtbaren Leiden zu heilen. Das ist ein Ziel, das nicht nur krebskranken Kindern hilft, sondern unsere ganze Welt zu einem besseren, gerech­teren Ort macht. In einer Zeit, in der die Welt so oft von Trennung und Uneinigkeit geprägt ist, brauchen wir mehr denn je dieses gemeinsame Engagement.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen und Ihren Lieben ein gesundes, friedvolles und gesegnetes Weihnachts­fest sowie alles Gute für das neue Jahr. Lassen Sie uns auch im kommenden Jahr gemeinsam dafür kämpfen, dass kein Kind mehr an Krebs sterben muss.

Mit herzlichen Grüßen,

Dr. med. Tatiana Prinzessin von Bayern, Schirmherrin
& Prof. Dr. med. Stefan Burdach, Stiftungsrat

Im Dezember 2024

 

WAS DIE GESELLSCHAFT IM INNERSTEN ZUSAMMENHÄLT, KANN NICHT VOM MARKT, ABER AUCH NICHT VOM STAAT ORGANISIERT WERDEN. ES SIND DIE SELBSTVERSTÄNDLICHKEITEN, DIE NUN, DA SIE ZU EINEM VERKNAPPENDEN GUT WERDEN, EINEN HOHEN PREIS KOSTEN.
Frank Schirrmacher – Minimum: vom Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft, München 2006